
Der Weg zum Volontariat
Wer in Deutschland Brötchen backen will, muss zwei Jahre eine Bäckerlehre machen. Wer jeden Tag für tausende Menschen entscheiden soll, was für sie wichtig ist, braucht dazu weder eine Ausbildung noch ein Studium. "Der Journalismus ist ein Beruf mit freien Zugang", erklären geduldige Berufsberater immer wieder. Das stimmt zwar, aber das Volontariat hat sich als "Redakteurslehre" immer mehr durchgesetzt. Es gibt heute kaum noch einen Nachwuchsjournalisten, der eine Festanstellung bekommt, ohne vorher ein Volontariat gemacht zu haben. Und nur mit dem, darf man sich in Deutschland Redakteur nennen, genauso wie sich einer nur Bäcker nennen darf, wenn er eine Bäckerlehre absolviert hat.
Mindestens Abitur
Die Volontariatsplätze sind rar und dementsprechend umkämpft. Ohne Abitur oder einer abgeschlossenen Berufsausbildung läuft heute fast nichts mehr. Die Mehrheit aller Volontäre hat auch ein Studium hinter sich. Was man studiert hat, ist relativ egal. Hauptsache, man kann dem Ausbildungsredakteur versichern, dass einem das Studium eine Menge Fachwissen vermittelt hat, das für sein Medium geradezu unerlässlich ist. Entgegen der Meinung einiger Chefredakteure kann man sicher auch Medienwissenschaften studieren. Die Medien werden selbst immer mehr zum Thema und wer da Ahnung hat, kann auch in diesem Bereich seine journalistische Nische finden.
Praxis ist die beste Referenz
Mit Abi, Diplom oder Magister hat man allerdings noch lange keinen Volontärsplatz in der Tasche. Wichtiger als der Abschluss mit einer Eins vor dem Komma ist die Praxis. Wer nicht schon bei der Schülerzeitung gearbeitet und nach der Schule für die Lokalzeitung geschrieben hat, muss sich ranhalten. Spätestens während des Studiums sollte man gelegentlich Texte schreiben und Kontakte zu den Profis knüpfen. Das eine oder andere Praktikum in den Semesterferien vergrößert die Chancen. Doch wie beim Volontariat gilt auch schon beim Praktikum: Die Zahl der Bewerber übersteigt die Plätze um ein Vielfaches - besonders während der Ferien. Wer in der Ferienzeit kein Glück hat, sollte ernsthaft überlegen, ein halbes Jahr Studierpause zu machen, um Praxisluft zu schnuppern, wenn andere im Hörsaal sitzen.
Geregelte Ausbildung nur bei der Presse
Mit Abi, Studium und praktischen Erfahrungen hat man schließlich eine reelle Chance, unter den vielen Bewerbern um einen Volontariatsplatz wenigstens beachtet zu werden. Eine verbindlich geregelte Ausbildung gibt es nur bei den Tageszeitungen und Zeitschriften. Wer einen Platz erkämpft hat, wandert mindestens 15 und maximal 24 Monate durch die Redaktionen und lernt so die verschiedenen Ressorts kennen. Aber keine Angst. Wer vom Sport keine Ahnung hat, muss auch nicht darüber schreiben. Die Tarifverträge sehen vor, dass der Volontär mindestens zwei Monate in jeweils drei Ressorts gewesen sein muss. Bei Tageszeitungen ist die Lokalredaktion für alle Pflicht, außerdem muss jeder Volontär in der Politik oder Nachrichtenredaktion gewesen sein. Aus den übrigen klassischen Ressorts Wirtschaft, Kultur und Sport kann man sich eins aussuchen. In welchen Bereichen der Volontär die übrige Zeit verbringt, das kann jede Zeitung individuell regeln.
Seminare, Seminare
Mit der Arbeit in den Redaktion ist es aber noch nicht getan. Während seiner Ausbildung muss jeder Volontär sechs Wochen außerbetriebliche Kurse besucht haben. Dort lernt man, wie man seine Schreibe verbessern kann, es geht es ums Presserecht oder Medienethik. Wer schon an Seminaren der Jugendpresse teilgenommen hat, kann sich in etwa vorstellen, wie so etwas abläuft - nur alles einige Stufen schwieriger. Einmal im Monat sollen sich alle Volontäre und der Ausbildungsredakteur zum Erfahrungsaustausch treffen. Und im Rundfunk? Nun, da gibt es bis heute noch keine einheitliche Regelung. Als Standard gilt hier aber auch das Prinzip, dass mehrere Ressorts durchlaufen und Kurse besucht werden. Ein Rundfunkvolontariat dauert meistens achtzehn Monate, ist also im Durchschnitt kürzer als ein Volontariat im Printbereich.
Und danach?
Wer den Chefredakteur während des Volontariats von seinen Fähigkeiten nicht überzeugen konnte, für den wird das Schreiben von Bewerbungen wieder genauso wichtig wie das Verfassen guter Reportagen. Nicht alle Volontäre bekommen am Ende ihrer Ausbildung einen Arbeitsvertrag. Schwacher Trost: Wer bei einer Tageszeitung oder Zeitschrift volontiert, muss die Entscheidung des Verlags drei Monate vor Ausbildungsende mitgeteilt bekommen.




